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Cool Silicon Art Award Interview: „Dialog zwischen unterschiedlichen Welten“

Kunst trifft Technologie: Der "Cool Silicon Art Award" ist ein Teil des Kunstprojektes des Spitzenclusters „Cool Silicon“ und wird dieses Jahr zum ersten Mal vergeben. Das internationale Festival für zeitgenössische Kunst OSTRALE realisiert diesen Kunstpreis. Am Freitag, 9. Dezember 2011 findet in den „Deutschen Werkstätten Hellerau“ erstmals die feierliche Preisverleihung statt. An diesem Tag wird aus den zehn nominierten Finalisten der erste Preisträger des mit 10.000 Euro dotierten Kunstpreises feierlich gewählt.

 

Das Preisträgerkunstwerk soll die oft getrennten Wirklichkeiten von Kunst und Technologie anregen, sich im Sinne der technologischen und gesellschaftlichen Entwicklung miteinander auseinander zu setzen. Eine interdisziplinäre Jury hat sich nicht nur mit der Jurierung des Preisträgers beschäftigt, sondern die oftmals nicht barrierefreien Zugänge von Kunst und Wissenschaft aktiv kommunizieren. Außerdem sahen sich die fünf Gutachter im öffentlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Diskurs immer wieder mit Fragen konfrontiert, wie und mit welchen Ziel es eine Verbindung aus Kunst und Technologie geben kann.

 

Im Interview erklären zwei Mitglieder der Fachjury, Clusterkoordinator Prof. Thomas Mikolajick und OSTRALE-Leiter Dr. Martin Müller, was hinter der Auszeichnung steckt, wie man Berührungsängste aufbrechen kann und gemeinsame Erfahrungen austauschen kann.

 

Was ist der Cool Silicon Art Award?

 

Thomas Mikolajick (TM): Gemeinsam mit dem internationalen Festival zeitgenössischer Künste OSTRALE wollen wir eine Brücke zwischen Technologie und Kunst schlagen. Dafür haben wir den Cool Silicon Art Award ausgerufen, der nationale und internationale bildende Künstler aller Gattungen dazu bewegen will, sich mit dem Inhalt und der Vision des Spitzenclusters und dem Thema „Energieeffizienz in der Informations- und Kommunikationstechnologie“ künstlerisch auseinanderzusetzen.

 

Martin Müller (MM): Der Wettbewerb soll auch einen intensiven Dialog zwischen Kunst, Wissenschaft und Technik initiieren und wieder herstellen. Denn kulturhistorisch gehörten diese Denk- und Erkenntnisfelder bis in das 19. Jahrhundert hinein einmal eng zusammen und haben sich entsprechend gegenseitig befruchtet.

 

Welches Ziel verfolgt der Cool Silicon Art Award?

 

TM: Unser Spitzencluster arbeitet an Zukunftstechnologien. Rund 100 Partner aus Industrie und Wissenschaft erforschen an Europas größtem Mikroelektronikstandort, Silicon Saxony, Systeme und Technologien um den Energiebedarf von Computern, Mobiltelefonen und Unterhaltungselektronik signifikant zu senken. Damit leisten wir einen Beitrag zur Nachhaltigkeit des technischen Fortschritts – ein Thema das uns alle betrifft. Der Cool Silicon Art Award transportiert unser Anliegen auf ungewöhnlichem Weg in die Öffentlichkeit. Mit Kunst soll das Bewusstsein für die Wichtigkeit unserer Arbeit geschaffen, Cool Silicon vorgestellt und unser Thema aus einer anderen Perspektive betrachtet werden. Dadurch soll das gesellschaftlich relevante Thema des Spitzenclusters Cool Silicon in Bevölkerungsschichten transportiert werden, die sich sonst nicht mit Hochtechnologie auseinandersetzen.

 

Kunst und Wissenschaft sind zwei tragende Säulen industrieller Gesellschaften. Wie sehen Sie die Beziehung von Kunst und Wissenschaft in der heutigen, westlichen Gesellschaft?

 

MM: Wissenschaft und Kunst stellen unterschiedliche Zugänge zur Welt dar. Mit jeweils eigenen Methoden und Mitteln. Beide Welten sind unvergleichlich und das eine kann das andere auch nicht „erklären“. Sie sollten aber wieder gleichberechtigt sein in der Entwicklung unserer Gesellschaft. Denn nur dann kann eine dringend notwendige, gegenseitige Befruchtung wieder stattfinden.

 

TM: Wissenschaft durchdringt die Geheimnisse des Lebens und liefert die Basis für technischen Fortschritt. Kunst reflektiert die Umwelt und versucht, die immer schneller werdende Welt zu erfassen und zu spiegeln. Beide tragen auf Ihre Weise entscheiden zum intellektuellen Fortschritt der Gesellschaft bei.

 

Warum ist es so wichtig, dass sich Kunst und Wissenschaft miteinander austauschen und welche Konsequenzen könnte eine anhaltende Kommunikation für die Gesellschaft haben?

 

MM: Wie gesagt, Kunst kann zu einem größeren Verständnis für die Wissenschaft beitragen. Sie kann auf eigenständige Weise verdeutlichen, dass es in allen Bereichen des persönlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens immer um die gleichen Grundfragen geht. Dabei ist es auch nicht so wichtig, ob ich sie nun rationalistisch oder intuitiv erfassen will. Paul Gauguin hat eben dies ja schon 1897 in seinem berühmten Bild sozusagen auf den Punkt gebracht: Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?

 

TM: Je abstrakter und komplexer wissenschaftliche Forschung wird, desto wichtiger ist es, sie für die  breite Öffentlichkeit erfassbar zu machen. Gerade die Entwicklungen in unserem Forschungsbereich,  der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), prägen entscheidend den Alltag vieler Menschen.

 

Welche Möglichkeiten hat die Kunst, auf Fragen der Energieeffizienz zu reagieren?

 

TM: Zunächst kann die Kunst ein Verständnis für die Dringlichkeit des Problems auch in technikferne Kreise transportieren. Schon allein die Sensibilisierung für diese globale Herausforderung ist ein wichtiger Schritt. Schließlich kann nur wer das Problem erkennt, auch etwas zu seiner Lösung beitragen.

 

MM: Das sehe ich genauso. Darüber hinaus können künstlerische Sichtweisen auf die grundlegenden Fragen der zeitgenössischen Welt  auf Seiten der Forschung dazu beitragen, einen Schritt zurück zu treten und völlig neue Ansätze zu erschließen. Denn die Kunst ist eine eigenständige, deutlich andere Erkenntnisform.

 

Der Cool Silicon Art Award ist ein pilotartiges Projekt, das interdisziplinär eine Brücke schlagen möchte. Warum entschließen sich so wenige Vertreter aus Wissenschaft und Kunst, derartige Projekte zu etablieren?

 

TM: In der täglichen Arbeit gibt es kaum Berührungspunkte zwischen Künstlern und Wissenschaftlern – man beschäftigt sich einfach wenig mit dem Tätigkeitsbereich des anderen. Außerdem ist die Eröffnung des Dialoges zwischen unterschiedlichen Fachkulturen immer ein steiniger Weg, da es in der Anfangsphase viele Verständigungsschwierigkeiten gibt, die häufig dazu führen, dass der Dialog beendet wird ehe er in eine produktive Phase eintreten kann. Beides führt dazu, dass solche Projekte kaum gedacht und ihre Potentiale nicht erkannt werden.

 

Treffen Sie in Ihrer Funktion als Jurymitglied des Cool Silicon Art Award auf Vorbehalte außerhalb des Projektkreises?

 

MM: Durchaus. Sie sind aber durchgängig begründet in der Tatsache, dass beide Felder so stark getrennt betrachtet werden, obwohl sie zusammen gehören, weil sie beide „Erkenntnis“ und deren Anwendung zum Gegenstand haben. Deshalb bestehen schlicht Berührungsängste, und zwar auf beiden Seiten. Genau dies wollen wir mit dem Art Award aufbrechen.

 

Herr Mikolajick, sind Sie in Ihrer persönlichen, beruflichen Laufbahn schon einmal in Berührung mit Kunst gekommen? Und wenn ja, haben sie diese Erfahrungen beeinflusst oder inspiriert?

 

TM: Ja, natürlich. Denn wenn man genau hinsieht, ist ja jedes einzelne Bauteil, mit denen wir forschen und arbeiten, ein kleines Kunstwerk. . Funktionierende technische Systeme haben immer auch ein hohes Maß an Ästhetik. In meiner beruflichen Laufbahn habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass bei technischen Lösungen, die diese Ästhetik vermissen lassen, früher oder später auch häufig Probleme im Bereich der Funktionalität auftreten. Zudem hat Forschung an sich mit bildender Kunst auch viel gemein: Perspektivwechsel und der Mut, neue Wege zu gehen, führen in beiden Disziplinen letztlich zu Innovationen.

 

Wie ist das bei Ihnen, Herr Müller? Sind Sie in Ihrer persönlichen, beruflichen Laufbahn schon einmal in Berührung mit Entwicklungen im Bereich der Nanotechnologie gekommen? Wenn ja, haben Sie diese beeinflusst oder inspiriert?

 

MM: Allerdings. In meinem persönlichen Umfeld gibt es viele Physiker und Elektrotechniker. In den 90er Jahren war ich eng dem Existenzgründungsumfeld der TH Aachen verbunden. Ich war selbst über viele Jahre ein „Schrauber“, habe mit einem Commodore angefangen und dann 1991 meinen ersten 286er „bearbeitet“. Bis vor zehn Jahren war es für mich „eine Frage der Ehre“, meine Rechner komplett selbst zusammenzubauen und zu programmieren. Ich habe die Entwicklungen in der Nanotechnologie lange Zeit intensiv verfolgt und mich häufig mit befreundeten Physikern, sozusagen interdisziplinär, ausgetauscht, gerade auch hinsichtlich der Fragen der Miniaturisierung und Verdichtung. Für mich persönlich bestand und besteht diese Kluft also ohnehin nicht, zumal ich selbst ja sowohl (Geistes-)Wissenschaftler wie auch Künstler bin.

 

Der Cool Silicon Art Award ist ein Projekt, das mit einem jährlichen Wettbewerb den Kunstpreis auslobt. Was wünschen Sie dem Cool Silicon Art Award für die Zukunft?

 

MM: Ich würde mich freuen, wenn es in Zukunft substantiell zu einem intensiven Austausch zwischen Kunst und Wissenschaft in diesem Bereich kommt, der bidirektional ist. Denn ich halte diese Verbindung für einen Schlüssel für zukünftige Entwicklungen, den beide Seiten unbedingt nutzen sollten.

 

TM: Unsere Arbeit soll nicht einfach verhallen, sondern einen langfristigen Einfluss auf den gesellschaftlichen Diskurs haben. Die Etablierung eines künstlerischen Kommunikationskanals gehört unbedingt dazu. Insofern wünsche ich dem Cool Silicon Art Award eine große Beachtung sowohl im Kunst- und Wissenschaftsbetrieb als auch in der Gesellschaft.Kunst trifft Technologie: Der "Cool Silicon Art Award" ist ein Teil des Kunstprojektes des Spitzenclusters „Cool Silicon“ und wird dieses Jahr zum ersten Mal vergeben. Das internationale Festival für zeitgenössische Kunst OSTRALE realisiert diesen Kunstpreis. Am Freitag, 9. Dezember 2011 findet in den „Deutschen Werkstätten Hellerau“ erstmals die feierliche Preisverleihung statt. An diesem Tag wird aus den zehn nominierten Finalisten der erste Preisträger des mit 10.000 Euro dotierten Kunstpreises feierlich gewählt.

 

Das Preisträgerkunstwerk soll die oft getrennten Wirklichkeiten von Kunst und Technologie anregen, sich im Sinne der technologischen und gesellschaftlichen Entwicklung miteinander auseinander zu setzen. Eine interdisziplinäre Jury hat sich nicht nur mit der Jurierung des Preisträgers beschäftigt, sondern die oftmals nicht barrierefreien Zugänge von Kunst und Wissenschaft aktiv kommunizieren. Außerdem sahen sich die fünf Gutachter im öffentlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Diskurs immer wieder mit Fragen konfrontiert, wie und mit welchen Ziel es eine Verbindung aus Kunst und Technologie geben kann.

 

Im Interview erklären zwei Mitglieder der Fachjury, Clusterkoordinator Prof. Thomas Mikolajick und OSTRALE-Leiter Dr. Martin Müller, was hinter der Auszeichnung steckt, wie man Berührungsängste aufbrechen kann und gemeinsame Erfahrungen austauschen kann.

 

Was ist der Cool Silicon Art Award?

 

Thomas Mikolajick (TM): Gemeinsam mit dem internationalen Festival zeitgenössischer Künste OSTRALE wollen wir eine Brücke zwischen Technologie und Kunst schlagen. Dafür haben wir den Cool Silicon Art Award ausgerufen, der nationale und internationale bildende Künstler aller Gattungen dazu bewegen will, sich mit dem Inhalt und der Vision des Spitzenclusters und dem Thema „Energieeffizienz in der Informations- und Kommunikationstechnologie“ künstlerisch auseinanderzusetzen.

 

Martin Müller (MM): Der Wettbewerb soll auch einen intensiven Dialog zwischen Kunst, Wissenschaft und Technik initiieren und wieder herstellen. Denn kulturhistorisch gehörten diese Denk- und Erkenntnisfelder bis in das 19. Jahrhundert hinein einmal eng zusammen und haben sich entsprechend gegenseitig befruchtet.

 

Welches Ziel verfolgt der Cool Silicon Art Award?

 

TM: Unser Spitzencluster arbeitet an Zukunftstechnologien. Rund 100 Partner aus Industrie und Wissenschaft erforschen an Europas größtem Mikroelektronikstandort, Silicon Saxony, Systeme und Technologien um den Energiebedarf von Computern, Mobiltelefonen und Unterhaltungselektronik signifikant zu senken. Damit leisten wir einen Beitrag zur Nachhaltigkeit des technischen Fortschritts – ein Thema das uns alle betrifft. Der Cool Silicon Art Award transportiert unser Anliegen auf ungewöhnlichem Weg in die Öffentlichkeit. Mit Kunst soll das Bewusstsein für die Wichtigkeit unserer Arbeit geschaffen, Cool Silicon vorgestellt und unser Thema aus einer anderen Perspektive betrachtet werden. Dadurch soll das gesellschaftlich relevante Thema des Spitzenclusters Cool Silicon in Bevölkerungsschichten transportiert werden, die sich sonst nicht mit Hochtechnologie auseinandersetzen.

 

Kunst und Wissenschaft sind zwei tragende Säulen industrieller Gesellschaften. Wie sehen Sie die Beziehung von Kunst und Wissenschaft in der heutigen, westlichen Gesellschaft?

 

MM: Wissenschaft und Kunst stellen unterschiedliche Zugänge zur Welt dar. Mit jeweils eigenen Methoden und Mitteln. Beide Welten sind unvergleichlich und das eine kann das andere auch nicht „erklären“. Sie sollten aber wieder gleichberechtigt sein in der Entwicklung unserer Gesellschaft. Denn nur dann kann eine dringend notwendige, gegenseitige Befruchtung wieder stattfinden.

 

TM: Wissenschaft durchdringt die Geheimnisse des Lebens und liefert die Basis für technischen Fortschritt. Kunst reflektiert die Umwelt und versucht, die immer schneller werdende Welt zu erfassen und zu spiegeln. Beide tragen auf Ihre Weise entscheiden zum intellektuellen Fortschritt der Gesellschaft bei.

 

Warum ist es so wichtig, dass sich Kunst und Wissenschaft miteinander austauschen und welche Konsequenzen könnte eine anhaltende Kommunikation für die Gesellschaft haben?

 

MM: Wie gesagt, Kunst kann zu einem größeren Verständnis für die Wissenschaft beitragen. Sie kann auf eigenständige Weise verdeutlichen, dass es in allen Bereichen des persönlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens immer um die gleichen Grundfragen geht. Dabei ist es auch nicht so wichtig, ob ich sie nun rationalistisch oder intuitiv erfassen will. Paul Gauguin hat eben dies ja schon 1897 in seinem berühmten Bild sozusagen auf den Punkt gebracht: Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?

 

TM: Je abstrakter und komplexer wissenschaftliche Forschung wird, desto wichtiger ist es, sie für die  breite Öffentlichkeit erfassbar zu machen. Gerade die Entwicklungen in unserem Forschungsbereich,  der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), prägen entscheidend den Alltag vieler Menschen.

 

Welche Möglichkeiten hat die Kunst, auf Fragen der Energieeffizienz zu reagieren?

 

TM: Zunächst kann die Kunst ein Verständnis für die Dringlichkeit des Problems auch in technikferne Kreise transportieren. Schon allein die Sensibilisierung für diese globale Herausforderung ist ein wichtiger Schritt. Schließlich kann nur wer das Problem erkennt, auch etwas zu seiner Lösung beitragen.

 

MM: Das sehe ich genauso. Darüber hinaus können künstlerische Sichtweisen auf die grundlegenden Fragen der zeitgenössischen Welt  auf Seiten der Forschung dazu beitragen, einen Schritt zurück zu treten und völlig neue Ansätze zu erschließen. Denn die Kunst ist eine eigenständige, deutlich andere Erkenntnisform.

 

Der Cool Silicon Art Award ist ein pilotartiges Projekt, das interdisziplinär eine Brücke schlagen möchte. Warum entschließen sich so wenige Vertreter aus Wissenschaft und Kunst, derartige Projekte zu etablieren?

 

TM: In der täglichen Arbeit gibt es kaum Berührungspunkte zwischen Künstlern und Wissenschaftlern – man beschäftigt sich einfach wenig mit dem Tätigkeitsbereich des anderen. Außerdem ist die Eröffnung des Dialoges zwischen unterschiedlichen Fachkulturen immer ein steiniger Weg, da es in der Anfangsphase viele Verständigungsschwierigkeiten gibt, die häufig dazu führen, dass der Dialog beendet wird ehe er in eine produktive Phase eintreten kann. Beides führt dazu, dass solche Projekte kaum gedacht und ihre Potentiale nicht erkannt werden.

 

Treffen Sie in Ihrer Funktion als Jurymitglied des Cool Silicon Art Award auf Vorbehalte außerhalb des Projektkreises?

 

MM: Durchaus. Sie sind aber durchgängig begründet in der Tatsache, dass beide Felder so stark getrennt betrachtet werden, obwohl sie zusammen gehören, weil sie beide „Erkenntnis“ und deren Anwendung zum Gegenstand haben. Deshalb bestehen schlicht Berührungsängste, und zwar auf beiden Seiten. Genau dies wollen wir mit dem Art Award aufbrechen.

 

Herr Mikolajick, sind Sie in Ihrer persönlichen, beruflichen Laufbahn schon einmal in Berührung mit Kunst gekommen? Und wenn ja, haben sie diese Erfahrungen beeinflusst oder inspiriert?

 

TM: Ja, natürlich. Denn wenn man genau hinsieht, ist ja jedes einzelne Bauteil, mit denen wir forschen und arbeiten, ein kleines Kunstwerk. . Funktionierende technische Systeme haben immer auch ein hohes Maß an Ästhetik. In meiner beruflichen Laufbahn habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass bei technischen Lösungen, die diese Ästhetik vermissen lassen, früher oder später auch häufig Probleme im Bereich der Funktionalität auftreten. Zudem hat Forschung an sich mit bildender Kunst auch viel gemein: Perspektivwechsel und der Mut, neue Wege zu gehen, führen in beiden Disziplinen letztlich zu Innovationen.

 

Wie ist das bei Ihnen, Herr Müller? Sind Sie in Ihrer persönlichen, beruflichen Laufbahn schon einmal in Berührung mit Entwicklungen im Bereich der Nanotechnologie gekommen? Wenn ja, haben Sie diese beeinflusst oder inspiriert?

 

MM: Allerdings. In meinem persönlichen Umfeld gibt es viele Physiker und Elektrotechniker. In den 90er Jahren war ich eng dem Existenzgründungsumfeld der TH Aachen verbunden. Ich war selbst über viele Jahre ein „Schrauber“, habe mit einem Commodore angefangen und dann 1991 meinen ersten 286er „bearbeitet“. Bis vor zehn Jahren war es für mich „eine Frage der Ehre“, meine Rechner komplett selbst zusammenzubauen und zu programmieren. Ich habe die Entwicklungen in der Nanotechnologie lange Zeit intensiv verfolgt und mich häufig mit befreundeten Physikern, sozusagen interdisziplinär, ausgetauscht, gerade auch hinsichtlich der Fragen der Miniaturisierung und Verdichtung. Für mich persönlich bestand und besteht diese Kluft also ohnehin nicht, zumal ich selbst ja sowohl (Geistes-)Wissenschaftler wie auch Künstler bin.

 

Der Cool Silicon Art Award ist ein Projekt, das mit einem jährlichen Wettbewerb den Kunstpreis auslobt. Was wünschen Sie dem Cool Silicon Art Award für die Zukunft?

 

MM: Ich würde mich freuen, wenn es in Zukunft substantiell zu einem intensiven Austausch zwischen Kunst und Wissenschaft in diesem Bereich kommt, der bidirektional ist. Denn ich halte diese Verbindung für einen Schlüssel für zukünftige Entwicklungen, den beide Seiten unbedingt nutzen sollten.

 

TM: Unsere Arbeit soll nicht einfach verhallen, sondern einen langfristigen Einfluss auf den gesellschaftlichen Diskurs haben. Die Etablierung eines künstlerischen Kommunikationskanals gehört unbedingt dazu. Insofern wünsche ich dem Cool Silicon Art Award eine große Beachtung sowohl im Kunst- und Wissenschaftsbetrieb als auch in der Gesellschaft.